Herbstumfrage: „Entwicklung der Metall- und Elektro-Industrie Mittelhessen 2009 und ihre Erwartungen für 2010 zur wirtschaftlichen Situation"
Bezirksgruppe Mittelhessen
31.12.2009
Die Bezirksgruppe Mittelhessen des Verbandes der hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen veröffentlicht Ergebnisse ihrer jährlichen Mitgliederbefragung // Alexander Trier: „Nach steilem Abstieg gemeinsam mit der Politik für einen Wiederaufstieg rüsten // Bezugsfrist Kurzarbeitergeld verlängern // Tarifverhandlungen 2010 brauchen Lösungen, die Betriebe stärken.“
Wetzlar / Gießen. „In der derzeitigen schwachen Konjunktur ist ein Zusammenwirken von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Politik unumgänglich. Wichtig sind vor allem nachhaltige Maßnahmen, wie z.B. die Unterstützung von mittelständischen Unternehmen bei der Beschaffung von Krediten“ ,erklärte Alexander Trier (Siemens AG, Wetzlar)
Der Vorsitzende der Bezirksgruppe Mittelhessen des Verbandes der hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen, sieht die Talsohle als durchschritten. Dies machte er am 25. November 2009 in Wetzlar anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der diesjährigen Befragung der Mitgliedsunternehmen der Bezirksgruppe zu Konjunktur und Beschäftigung deutlich. Und er führte weiter aus:
„Ein Signal an Arbeitgeber und Arbeitnehmer – gerade auch gegenüber der sehr von dem Konjunktureinbruch betroffenen M+E Industrie – wäre eine Ausweitung der verlängerten Bezugsfrist für Kurzarbeit über den 31.12.2009 hinaus. Eine solche Maßnahme täte letztlich nicht nur unseren mittelhessischen Unternehmen gut. Vielmehr würden so die Unternehmen in die Lage versetzt, auf ihre jeweils individuelle Situation angepasst zu reagieren. Derzeit führen Einheitslösungen in den seltensten Fällen zum Ziel.“
Trier äußerte sich auch zur kommenden Tarifrunde: “Wir benötigen einen Abschluss, der die Betriebe stärkt, um ihnen die Beschäftigungssicherung zu erleichtern. Denn auch die Überbrückungsmaßnahmen wie Kurzarbeit kosten den Arbeitgeber Geld. Wir brauchen flexible Lösungen für Unternehmen in unterschiedlichen Phasen der Krisenbewältigung Nur so besteht die Möglichkeit „gut aus den Startlöchern“ zu kommen, wenn die Wirtschaft wieder bessere Zeiten einläutet. Grundlagen existieren zwar, aber wie immer steckt der Teufel im Detail.“
Alexander Trier, Vorsitzender der Betriebsleitung und Leiter der Siemens-Geschäftsstelle Wetzlar: „Mittelhessische Unternehmen durchschreiten die Talsohle - Hoffnung auf leichte Entspannung“
„Insgesamt 43,7 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen bewerten die momentane allgemeine Geschäftslage als schlecht oder sogar sehr schlecht. Dies stellt zum Frühjahr 2008 einen weiteren Abschwung um über 15 Prozent dar. Die zukünftigen Einschätzungen zeigen dagegen eine leichte Entspannung, da für diesen Zeitraum wieder fast 26 Prozent der Mitgliedsunternehmen eine Verbesserung der Geschäftslage prognostizieren. Zudem gehen 68,2 Prozent wenigstens von vergleichbaren Zahlen aus.“
„Der Abwärtstrend scheint zumindest für den Augenblick gestoppt“, so Trier abschließend, „auch wenn wir nicht vergessen dürfen, dass beinahe jedes zweite M+E Unternehmen in Mittelhessen aktuell mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat.“
Peter Müller, Kaufmännischer Geschäftsführer der Isabellenhütte Heusler GmbH KG, Dillenburg: „Krise hat alle getroffen – Auftragslage nach wie vor schwach / Umsatz und Ertragsentwicklung stehen vor einer Stabilisierung“
Aufträge/Umsatz/Ertrag
„Bei den Auftragseingängen melden über 56 Prozent der befragten Betriebe aktuell zu geringe Auftragszahlen. 31 Prozent rechnen mit einer Zunahme bis ins Frühjahr 2010. „Der Abwärtstrend bei den Umsatzergebnissen hat sich verlangsamt. Immerhin 36 Prozent unserer Betriebe konnten im Vergleich zum Frühjahr steigende Zahlen vermelden. Zeitgleich waren aber auch über 32 Prozent von einem Umsatzrückgang betroffen.
Der Blick nach vorne verspricht zumindest eine Stabilisierung. Aber die Ertragssituation wird als unverändert schlecht eingestuft, lediglich 14 Prozent erwarten hier eine Steigerung. “
„Unsere mittelhessischen Unternehmen haben sich den wirtschaftlichen Herausforderungen gestellt. Gemeinsam mit den Mitarbeitern und der Politik müssen Lösungen für die Probleme, aber auch Ansätze zur Nutzung der Chancen entwickelt werden.“
Investitionen
„Ein weiteres Absinken der Investitionsquote scheint vorerst gestoppt. Über 69 Prozent der Unternehmen gehen in den kommenden Monaten von gleich bleibenden Investitionsvolumen aus. Somit konnte die Zahl derer, die ihre Investitionen zurückfahren mussten, mit „nur noch“ 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 mit über 42 Prozent halbiert werden.“
„Natürlich können aber auf der anderen Seite auch keine großen Erhöhungen der Investitionsbereitschaft erwartet werden“, führte Müller aus, „und dennoch wird hier in Mittelhessen eine konstante Steigerung bei den Ausgaben für die Mitarbeiterqualifikation auf zukünftig 19 Prozent der Gesamtausgaben erwartet.“
Export
„75 von 85 mittelhessischen M+E-Unternehmen exportieren ins Ausland – das sind 88 Prozent“, so Müller. „Der Exportanteil in den Unternehmen beträgt im Durchschnitt 41 Prozent. Diese Zahl ist geringfügig gesunken, im vergangenen Jahr lag der Exportanteil noch bei durchschnittlich 42,3 Prozent.
Aktuell konnten 26,7 Prozent unserer Mitglieder ihre Exporte gegenüber dem Frühjahr steigern, parallel dazu mussten aber auch 32,5 Prozent im gleichen Zeitraum sinkende Exportzahlen hinnehmen.“
Für die Zukunft gehen jedoch insgesamt fast 92 Prozent aller Befragten von gleich bleibenden oder steigenden Exporterlösen aus. Nur die übrigen 8 Prozent befürchten eine negative Entwicklung in den nächsten Monaten.
Müller bewertet die Zahlen wie folgt: “Auch der Außenhandel hat stark unter der Krise gelitten. Es besteht jedoch ein wenig Hoffnung, dass sich der Konjunkturmotor Export wieder erholt.“
Dr. Dirk Hohn, Geschäftsführer des Metallarbeitgeberverbandes Mittelhessen: “Beschäftigungszahlen sinken. Keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt“
„Bei den zurückgemeldeten 85 Unternehmen waren im Frühjahr 2009 21.611 Mitarbeiter beschäftigt. In den vergangenen Monaten konnten viele Mitarbeiter gehalten werden. Dennoch befinden sich aktuell nur noch 21.093 Beschäftigte in unseren Betrieben – ein Rückgang um 2,4 Prozent. Für das kommende Halbjahr ist ein weiterer moderater Rückgang der Beschäftigten um 1 Prozent beabsichtigt. Ein Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ist hier noch nicht zu erkennen.“
„Der Einsatz der Kurzarbeit hat vielen Unternehmen geholfen ohne große Entlassungswellen durch die Krisenzeit zu kommen“, betont Hohn.
„Dennoch ist gerade jetzt Vorsicht vor zu großem Optimismus geboten. Stattdessen sind realistische Einschätzungen der weiteren Entwicklung die Grundlage für eine gesunde Personalpolitik.“
Alexander Trier, Vorsitzender der Betriebsleitung und Leiter der Siemens-Geschäftsstelle Wetzlar: „Krisenbewältigung darf uns nicht den Blick in die Zukunft verbauen – Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen als mögliche Lösung“
„Auf die Frage nach der aktuellen Wirtschaftskrise machen die mittelhessischen M+E Unternehmen deutlich, dass sich über die Hälfte noch mitten im Zentrum des Abschwungs befinden. Die erkennbare Tendenz einiger Betriebe in Richtung Ende der Krise lässt Raum für ein wenig Hoffnung auf Besserung. Befragt dazu, wie stark die einzelnen Betriebe von der Krise betroffen sind, gaben über 60 Prozent an, stark oder sehr stark unter der aktuellen Situation zu leiden.“
„Als mögliche Lösungsvorschläge wurden die Verminderung der Produktionskosten und besonders das Entwickeln von neuen Produkten und Dienstleistungen genannt.“
„Die Krise hat schwere Schäden in der mittelhessischen Wirtschaft angerichtet“, betont Trier. „Aktuell darf aber nicht der Blick zurück im Vordergrund stehen. Gerade der klare Fokus auf die Zukunft ist jetzt gefragter denn je.“
Ihr Kontakt:
Marika Puskeppeleit
Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen
Bezirksgruppe Mittelhessen e.V.
Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Elsa-Brandström-Str. 5
35578 Wetzlar
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