So die Zusammenfassung von Alexander Trier (Siemens AG, Wetzlar) Vorsitzender der Bezirksgruppe Mittelhessen des Verbandes der hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen im Rahmen der Vorstellung der Ergebnisse der diesjährigen Befragung der Mitgliedsunternehmen der Bezirksgruppe zu Konjunktur und Beschäftigung. Der Verband hatte am 30.11.2011 in das mittelhessische Haus der Wirtschaft eingeladen, um aktuelle Kennzahlen aus der Branche zu präsentieren.
Alexander Trier, Vorsitzender der Betriebsleitung und Leiter der Siemens-Geschäftsstelle Wetzlar: „Wirtschaftliche Lage zeigt erfreuliches Bild – Erste Eintrübungen in Geschäftslage und Auftragseingängen zu erkennen - Umsatzentwicklung auf gutem Niveau – Erträge liegen noch leicht hinter Umsätzen zurück“
„Mit einem Anteil von 67 % kann heute wieder ein Großteil der Betriebe von einer guten bis sehr guten Geschäftslage sprechen. Jedoch zeigt der Blick zurück auf die vergangen sechs Monate, dass mit 19,3 Prozent bereits fast wieder jeder 5. von einer Verschlechterung spricht. Für die kommenden Monate ist mit einer vergleichbaren Lage zu rechnen. Etwa 16 % erwarten eine Verschlechterung ihrer allgemeinen Geschäftslage.
„Auch die Auftragslage präsentiert sich im Moment mit sehr guten Zahlen. Über 90 % bezeichnen ihren Auftragsbestand als ausreichend oder sogar verhältnismäßig groß. Jedoch befürchtet ein Drittel der Befragten für die kommenden sechs Monate abnehmende Bestellungen.“
Trier ergänzte: „Der Vergleich zwischen den aktuellen Umsatzzahlen und denen aus dem Frühjahr fällt positiv aus: 37,5 Prozent der Betriebe konnten steigende Umsätze vermelden. Dazu kommen noch einmal 52,3 Prozent mit einer stabilen Umsatzentwicklung. Aber auch hier macht sich eine Eintrübung bemerkbar. Etwa 55 % gehen von gleichbleibenden Umsätzen aus. Allerdings stehen den 25 % mit eher steigenden auch schon ca. 20 % mit eher fallenden Umsätzen gegenüber.
„Der Ertrag hinkt leicht hinter den Umsätzen her. Hier können aber immerhin auch 30 Prozent einen Aufwärtstrend vermelden. Die Erwartungen gehen zu einer stärkeren Stabilisierung: 58 Prozent melden konstante Erträge, für die Zukunft erwarten sogar über 60 Prozent stabile Zahlen.“
Trier wies darauf hin, dass die Entwicklung grundsätzlich Anlass zur Freude gäbe, es jedoch fahrlässig sei, die guten Ergebnisse nicht vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Politik und auf den Finanzmärkten zu bewerten
Dr. Jörg Fischer, Arbeitsdirektor und Geschäftsführer der Bosch Thermotechnik GmbH, Wetzlar: „Investitionen der Betriebe auf sehr hohem Niveau - Fast 90 % der Unternehmen im Exportgeschäft tätig“
Investitionen/Export
„95 Prozent unserer heimischen Betriebe haben ihre Investitionen in den vergangenen Monaten steigern können oder auf hohem Niveau weiter investiert. Dieses positive Bild wird dadurch verstärkt, dass in 32 Unternehmen auch für das kommende Halbjahr eine Erhöhung des Investitionsvolumens geplant ist. Qualitativ wird derzeit vorrangig in Ersatzinvestitionen (37,6%) investiert. In den kommenden Monaten sollen dann auch wieder vermehrt Mittel für die Qualifikation der Mitarbeiter bereitgestellt werden.
Wir sind und bleiben eine Exportbranche. Fast 90 Prozent der Betriebe exportieren ins Ausland“, so Fischer. „Der Exportanteil in diesen Unternehmen erreichte 2011 im Durchschnitt 45,6 Prozent. Grundsätzlich gilt auch hier: Stabilisierung auf gutem Niveau: 70 Prozent der Befragten meldeten aktuell vergleichbare Exportzahlen. Hinzu kommen noch einmal 24 Prozent, die einen Anstieg im Außenhandel angeben konnten. Im Ausblick löst sich das starke Mittelfeld ein wenig auf. Dann erwarten noch etwa 60 Prozent gleichbleibende und 27,8 Prozent sogar ansteigenden Exportquoten.“
Tobias Selzer, Geschäftsführer der Selzer Fertigungstechnik GmbH & Co. KG: „Fachkräftemangel in der heimischen M+E-Industrie angekommen – Schwierige Stellenbesetzung vom Facharbeiter bis zum Akademiker“
„Die Umfrage bestätigt unsere Befürchtungen, dass sich die Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen für Auszubildende, Fachkräfte und Akademiker weiter verschärfen werden. Alarmierend sind zwei Tatsachen: erstens erwartet ein Drittel der befragten Unternehmen, dass sich der eigene Bedarf an Fachkräften weiter erhöht. Zweitens konnten zwar aktuell 88 Prozent der Stellen bei den Azubis und 66 Prozent der Arbeitsplätze bei den allgemeinen Fachkräften besetzt werden; diese Zahlen werden aber schon in den kommenden Monaten um 10-15 Prozent sinken.“
Selzer fügte hinzu: „Die Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung liegen derzeit zu 80 bis 95 Prozent im gewerblich-technischen Bereich. Hier wirbt unser Verband mit gezielten Aktionen für die sogenannten MINT-Berufe. Ein Beispiel: aktuell startet das neue „Azubi-Mentoren“-Projekt, bei dem junge Auszubildende Schülerinnen und Schülern ihre Berufe aus dem naturwissenschaftlich-technischen MINT-Bereich näherbringen sollen. Die Betriebe befürchten für sich selbst in Zukunft schwerwiegende Auswirkungen durch den Fachkräftemangel. So erwarten alleine 78 Prozent der Befragten Einschränkungen durch vakante Stellen bei den Fachkräften. Das ist ein alarmierendes Signal!“
Dr. Dirk Hohn, Geschäftsführer des Metallarbeitgeberverbandes Mittelhessen: „Betriebe stellen weiter ein – Jobzuwachs vor allem bei Stammkräften – Flexible Beschäftigungsformen hilfreich“
„Erfreulich für den Arbeitsmarkt ist die Tatsache, dass sich das abschwächende Wachstum dort nicht nieder zu schlagen scheint. Auch in den vergangen Monaten haben die mittelhessischen M+E-Betriebe 2,4 Prozent neues Personal fest eingestellt. Der Aufschwung findet hauptsächlich in der Stammbelegschaft statt und auch für das kommende Halbjahr wird mit Neueinstellungen in einer Höhe von über 1,3 Prozent gerechnet. Für die weitere Entwicklung ist wichtig, dass die feststellbaren Unsicherheiten nicht durch gewerkschaftliche Forderungen in der Tarifrunde 2012 befeuert werden. Die Forderung nach Reglementierung der Zeitarbeit z.B. beschneidet die Flexibilität der Betriebe und schadet daher den Unternehmen, “ so Dr. Hohn. Und weiter: „Durch den Aufwuchs der vergangenen Monate bei den Beschäftigtenzahlen in Mittelhessen wird deutlich, dass die Aussage der Gewerkschaften, Stammbelegschaften würden zugunsten von Zeitarbeit abgebaut, unzutreffend ist.“