Der Vorsitzende der Bezirksgruppe Mittelhessen,
Alexander Trier, sah im 2010 abgeschlossenen Tarifvertrag die Grundlage für den stetigen Aufschwung der Metall- und Elektroindustrie in den vergangenen Monaten. Auf Basis dieser Verhandlungsergebnisse und mit Hilfe von vorausschauendem Handeln von Arbeitgebern und Arbeitnehmern konnte die Belegschaft zu großen Teilen in den Betrieben gehalten werden. „Im Aufschwung konnten Arbeitgeber und Arbeitnehmer dann die Produktion wieder zügig hochfahren und den schnell anziehenden Auftragseingängen gerecht werden. Aktuell zahlen viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern das entgegengebrachte Vertrauen, aber auch die Entbehrungen in der Krise zurück, indem sie die Tariferhöhung zum 01.04.2011 um ein oder zwei Monate vorgezogen haben“, erklärte Trier.
Auch in diesem Jahr war die Zeitarbeit ein Thema. Die ständigen Angriffe aus den Reihen der Gewerkschaften stehen im krassen Gegensatz zu dem Umgang mit dem Instrument Zeitarbeit, wie ihn die heimischen Metall- und Elektrounternehmen pflegen. Vor allem die Behauptung, dass Stammarbeitsplätze durch kostengünstige Zeitarbeitskräfte ersetzt werden, entbehrt jeder Grundlage: „Stattdessen ist eher eine gegensätzliche Bewegung zu erkennen, da immer mehr unserer Mitgliedsunternehmen die Gelegenheit ergreifen und in dem stetig voranschreitenden Wiederaufschwung dazu übergehen, Zeitarbeitnehmer in die eigene Stammbelegschaft zu integrieren. Unsere Unternehmen verwenden die flexible Zeitarbeit nach wie vor fast ausschließlich, um Auftragsspitzen abzudecken“, stellte Trier richtig. Zudem sei die Tatsache, dass viele der Zeitarbeitnehmer an- und ungelernt sind und dennoch über 20 Prozent im Anschluss an ihre Zeitarbeitsstelle eine Festanstellung in dem aktuellen Unternehmen erhalten und somit übernommen werden, eine Stärke dieser Branche.

Die kürzlich per Volksentscheid getroffene Entscheidung, die sogenannte Schuldenbremse in der hessischen Verfassung zu verankern, wurde ausdrücklich begrüßt. Die Arbeitgeberverbände sehen in einer konzentrierten Haushaltskonsolidierung den einzigen Weg, um aus der Abwärtsspirale aus Neuverschuldung und Zinsrückzahlung zu entkommen. Trier verdeutlichte hier die Bedeutung dieser wichtigen Entscheidung: „Diese zwingend nötige Konsolidierung wird zur Folge haben, dass in allen Ressorts Einsparungen vorgenommen werden und eine umfassende Untersuchung auf mögliches Einsparpotential durchgeführt wird.“
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung ging der viele Jahre als Verfassungsrichter aktive Professor Bryn-Otto Bryde der Frage nach, ob wir derzeit in Deutschland einen gesellschaftlichen Stimmungswandel im Bezug auf das politische Engagement der Bürger erleben. Bryde zeigte hier ein Spannungsfeld auf: Auf der einen Seite steht der Bürgerprotest bei intransparenten Projekten wie Stuttgart 21 und die Freude der Menschen, wenn bei Verfassungsbeschwerden der Gesetzgeber in die Schranken gewiesen wird. Auf der anderen Seite fallen aber die schwache Wahlbeteiligung in Hamburg und Bremen und die sinkenden Mitgliederzahlen bei Parteien und Kirchen auf. Gerade diese negativen Entwicklungen führte er auf die an vielen Stellen fehlende Transparenz der politischen Prozesse zurück, die bei den Bürgern ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen. Hier sah Bryde Handlungsbedarf und sprach sich für eine direkte Einflussnahme des Bürgers auf wichtige Entscheidungen am Beispiel von Volksentscheiden aus. Denn laut seiner Aussage, seien alle Wege, die den Einfluss des Bürgers in der Demokratie steigern zu begrüßen, wobei er abschließend darauf verwies, dass auch die Arbeit in Vereinen und Verbänden eine bestimmte Form von politischem Engagement darstellt.