Selbst bei Beamten würde erst nach Ausbildung und angemessener Erprobungsphase entschieden, ob der Dienstherr für sie Verwendung habe." Und ausgerechnet bei Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, die in einem weltweiten Wettbewerb stünden und von einem immer kürzeren und heftigeren konjunkturellen Auf und Ab abhängig seien, sollten junge Menschen schon mit dem ersten Ausbildungstag und ohne jegliche Leistungsanreize quasi verbeamtet werden?
Hohn sieht hier für die hessische M+E-Industrie auch nicht den geringsten Regelungsbedarf: „Wer der M+E-Industrie vorwirft, ihre Beschäftigungsverhältnisse seien prekär, der leidet an Realitätsverlust. Die IG Metall soll sich erst einmal in anderen Branchen umschauen." Der Anteil der befristet Beschäftigten betrage in der Metall- und Elektro-Industrie 3,2 Prozent – mit sinkender Tendenz. Mehr als die Hälfte der Betriebe nutzten überhaupt keine befristeten Verträge. In der Branche liege der Anteil der Zeitarbeit im Verhältnis zu den Stammbelegschaften bei nur 5 Prozent. Dies sei notwendige Flexibilität, und nicht prekär. Drei Viertel aller Azubis würden unbefristet übernommen, entweder direkt nach der Ausbildung oder nachdem sie - wie im Tarifvertrag festgeschrieben - zunächst auf ein Jahr befristet beschäftigt gewesen seien. Die anderen 25 Prozent schlössen vielfach ein Studium an oder wechselten von sich aus in ein anderes Unternehmen.
„Gemeinsam den Erfolgskurs halten ist das Gebot der Stunde, um die Betriebe zu stärken, die Anzahl der Jobs auszubauen und neue Chancen zu erschließen“, resümierte Hohn. Die mittelhessischen Metallarbeitgeber fordern die IG Metall auf, die Flexibilität für die Betriebe weiter auszubauen, statt in altes Versorgungsdenken zurückzufallen. „Der Ausbau differenzierender Elemente sei die oberste Priorität der 120 mittelhessischen M+E-Unternehmen mit ihren 28.000 Beschäftigten, die HESSENMETALL in Mittelhessen vertrete. Die zurückliegende Krise habe doch gezeigt, wie wichtig passgenaue Lösungen seien: für kleine und große Unternehmen, Familienunternehmen und Kapitalgesellschaften – aus unterschiedlichen Branchen von Automobil, über Metallerzeugung bis zur Medizintechnik. „Daher brauchen wir mehr Spielraum, nicht weniger – sowohl in der konjunkturellen Abwärts- als auch in der Aufwärtsbewegung“, sagte Dr. Hohn.