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Freizügigkeit kann Beitrag zur Lösung des Fachkräftemangels leisten

Metallarbeitgeber sehen keine Anzeichen für einen Ansturm von osteuropäischen Arbeitnehmern

29.04.2011
Wetzlar. Giessen. Limburg. Der 01.Mai ist seit je her ein besonderer Tag für die Gewerkschaften. Wenn in diesem Jahr aber am 01.Mai die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit für acht weitere EU-Staaten gilt, betrifft dieses Datum auch Politik und Wirtschaft in besonderem Maße und führt zu unterschiedlichen Reaktionen. Besonders die Warnungen und Unkenrufe vor einer Invasion von osteuropäischen Arbeitnehmern, die für Dumpinglöhne in Deutschland arbeiten möchten, können die mittelhessischen Metallarbeitgeber nicht überzeugen.
„Uns missfällt vor allem, dass die möglichen Risiken immer ausschweifend beleuchtet werden, die Chancen der Freizügigkeit im Gegensatz jedoch meist unerwähnt bleiben. Fakt ist nun einmal, dass Länder wie Schweden und Großbritannien bereits seit Jahren mit der vollen Freizügigkeit leben und viele wanderungswillige Bürger der neuen EU-Staaten längst dorthin abgewandert sind. Der große „Run“ wird ausbleiben und diejenigen, die dann letztendlich zuwandern, tragen in vielen Branchen zur Überwindung des immer deutlicher zu Tage tretenden Fachkräftemangels bei“, so Alexander Trier, Vorsitzender der mittelhessischen Bezirksgruppe des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL.

Besonders die Gewerkschaften verschweigen auch gerne die Tatsache, dass eine gesunde Arbeitsmigration nachweisbare Vorteile durch neue Unternehmensgründungen, einen Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens und auch zunehmende Patentanmeldungen mit sich bringt. Stattdessen wird immer wieder vor den ausländischen Zeitarbeitern gewarnt, die heimischen Betrieben für Hungerlöhne angeboten werden. „Der gesetzliche Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche verhindert hier auf einfachem Weg alle drohenden sozialen Verwerfungen. Gerade auch von Arbeitgeberseite wurde hier die Ausweitung des tarifvertraglichen Mindestlohns auf ausländische Zeitarbeitsunternehmen massiv unterstützt, um den heimischen Arbeitsmarkt vor Dumpinglöhnen zu schützen“, erläuterte Trier.

In diesem Zusammenhang erachten die Metallarbeitgeber den aktuellen Vorschlag der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Einführung eines branchenübergreifenden Mindestlohns als Grundlage für erhöhte Steuereinnahmen jedoch für wenig zielführend. „Auch wenn die dem Vorschlag zu Grunde liegende Studie von höheren Einnahmen in Milliardenhöhe spricht, darf nicht vergessen werden, dass gesetzliche Mindestlöhne einen dramatischen Eingriff in unsere Volkswirtschaft darstellen. Im Regelfall gehen durch diese Lohnuntergrenzen Stellen verloren oder die Entstehung von neuen Arbeitsplätzen wird verhindert. Wir bezweifeln, dass am Ende der Rechnung dann die versprochenen Mehreinnahmen tatsächlich realisiert werden können“, sagte Trier.

Allerdings sieht die Arbeitgeberseite noch großen Handlungsbedarf bezüglich weiterer Reformen im Zuwanderungsrecht. So fehle immer noch das geforderte Gesamtkonzept für die arbeitsmarktorientierte Zuwanderung. Gerade die Anziehungskraft für Hochqualifizierte im MINT-Bereich müsse gezielt erhöht werden, um dort zu helfen, die Lücke von geschätzt 230.000 Fachkräften im Jahr 2020 zu schließen. Somit ist ein freundliches „Herzliches Willkommen“ gegenüber den potentiellen Fachkräften weit hilfreicher, als Furcht und Argwohn.


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