Wirtschaftszeitung Aktiv vom 09.10.2010

Bei den Wärme-Profis läuft es wieder rund

OHL Technologies bringt die Energie ins Rohr


Hängen sich für OHL richtig rein: Die Ingenieure Martin Kienböck (links) und Ingo Cürten. Fotos: Scheffler


Limburg. Der Sommer ist vorbei, der Herbst hat Einzug gehalten. Gut, wenn am Abend eine warme Heizung das Frösteln schnell vertreibt. Wir verdanken es dem heißen Wasser im Heizkörper, das seine Wärme an die Luft abgibt. „Eine Heizung ist ein klassischer Wärmetauscher und ein gutes Beispiel, um zu erklären, was wir herstellen.

Wir tun das bloß in viel größeren Dimensionen“, sagt Ingo Cürten, Mitglied der Geschäftsleitung von OHL Technologies in Limburg.  Kerngeschäft des 1867 gegründeten
Unternehmens sind Wärmetauscher für Kraft werke und Chemie-Anlagen Daneben entwickelt und produziert der Betrieb auch andere Komponenten, vom Dampferzeuger bis zur Kesselanlage.


Pfiffige Ingenieure
„Dabei übernehmen wir, wenn gewünscht, auch die komplette Ingenieurarbeit. Wir verstehen uns zunehmend als Problemlöser in Sachen Energie und Wärmetauscher“, erläutert der geschäftsführende Gesellschaf ter Martin Kienböck das Konzept. Die Ingenieure kennen sich nicht nur in klassischen Kohle- und Kernkraftwerken aus, sondern auch bei Blockheizkraftwerken. Für das Recycling von PET-Flaschen entwickelten sie einen Spezial-Trockner. Bei vielen Forschungsprojekten sind sie mit im Boot. Auch bei regenerativen Energien mischen sie mit.

Präzisionsschweißen: Marcus Müller arbeitet am Vorkopf eines Wärmetauschers

Für das spanische Solarkraftwerk Andasol (ein europäisches Vorzeigeprojekt mit einer Kapazität von 50 Megawatt) entwarf und baute OHL die Schlüsselkomponenten. Sie übertragen die Energie aus dem Feld der Sonnenkollektoren in die Dampfturbine. „Wir haben Jahrzehnte Erfahrung mit Öl als Wärmeträger. Das war sicher ein Grund dafür, dass man sich hier für uns als Partner entschieden hat“, erklärt Cürten, seit Mitte 2008 im Unternehmen. Das Projekt ist nur eines von vielen, die der Belegschaft nach schwierigen Jahren wieder Mut macht. Denn 2003 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden Danach stieg die Münchner Schoeller-Gruppe ein und holte Branchenprofi Martin Kienböck an Bord. Der 69-Jährige setzt verstärkt auf die Mitarbeiter: „Wir
krempeln hier gemeinsam die Ärmel hoch, um OHL wieder ganz nach vorn zu bringen.“

Optimistische Belegschaft
Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Rörig bestätigt das: „Alle haben das Gefühl, dass wir endlich auf dem richtigen Weg sind.“ Über eine Million Euro investierte OHL seit 2008 in den Standort. In diesem Jahr erwartet die Firma einen Umsatz von 18 Millionen Euro.

Betriebsrat Wolfgang Rörig: „Wir haben alle das Gefühl, wir sind auf einem guten Weg.”

Aktuell hat OHL 80 Mitarbeiter. Zu tun gibt es laut Kienböck genug: „Es ist unglaublich, wo überall in Anlagen unterschiedlicher Branchen noch viel Energie vernichtet wird, die man durch Wärmetauscher sinnvoller nutzen könnte.“ MAJA BECKER-MOHR


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